Publikumswahl 2026

In der Ausstellung werden Arbeiten von 25 Nominierten für den Förderpreis des Bodenseekreises 2026 gezeigt. Der Jury-Preis wurde in diesem Jahr zwischen Zeichnung und Malerei geteilt. Wer ihn erhält, wird aber erst an der Preisverleihung am 3. Juli 2026 verraten.

Doch alle Nominierten haben noch die Chance auf einen Preis! Die 25 Künstlerinnen und Künstler stellen sich auf dieser Seite vor. Machen Sie sich ein Bild – und vor allem:

Wählen Sie Ihren „Publikumsliebling“!

Hier geht’s zum Wahlformular – gewählt werden kann bis 18. Juni 2026.

Vorstellung der Künstlerinnen und Künstler

Francesca Amodeo

Einsamkeit, Introspektion, Verfall, Vergänglichkeit, das sind Themen, mit denen ich mich aktuell in meiner Arbeit befasse. Das Dargestellte ist oft banal und meist direkt aus dem Alltag entnommen: ein Blick in den Badezimmerspiegel, ein Ausblick aus dem Fahrzeug oder der Blick auf die Konsequenzen des eigenen Handelns. Obschon menschliche Präsenz in den Werken immer vorhanden ist, kommen Figuren im Sinne von Porträts nicht wirklich vor – es sind nur Körperteile oder versteckte Figuren. So steht die Handlung im Vordergrund. Inspiriert von der malerischen Technik der flämischen und italienischen Alten Meister, arbeite ich oft bewusst in mehreren Schichten. Meine Malerei erzeugt eine Spannung zwischen dem Schönen und dem Unbehaglichen. Betrachterinnen und Betrachter sollen dabei ästhetisch und emotional aufgefangen werden. Mit meinem Werk versuche ich, meinen Alltag zu begreifen und ihn den Betrachtenden aus meiner eigenen Perspektive zu zeigen.

Jule Appel

Ein zentrales Thema meiner Arbeit ist das Sichtbarmachen intimer Momente – Augenblicke der Stille, der Verletzlichkeit oder der Selbstvergessenheit. Ich interessiere mich für die feinen Gesten und Haltungen, in denen sich innere Zustände spiegeln, sowie für die Art und Weise, wie Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld mit sich selbst oder anderen interagieren. Dabei spielen Nähe und Distanz, das Ungesagte und das Flüchtige eine große Rolle. Meine Bilder halten diese Momente fest, ohne sie eindeutig zu deuten, und eröffnen damit Räume für individuelle Assoziationen. Besonders fasziniert mich das Zusammenspiel von Farbe und Licht, das ich nutze, um Atmosphäre zu schaffen und die emotionale Wirkung einer Szene zu verstärken. Die Kompositionen meiner Arbeiten zeichnen sich durch eine klare Setzung von Figuren im Bildraum aus. Körperlichkeit und Ausdruck stehen dabei im Mittelpunkt, während die Umgebung oft auf das Wesentliche reduziert wird, um den Fokus auf das Menschliche zu lenken.

Taha Bader

Meine Arbeit untersucht die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft und stützt sich auf Kindheitserinnerungen und mein Aufwachsen in Pakistan. Beide Gemälde sind bewusst monochrom gehalten. Die Reduktion auf Tonwerte schafft Abstand von der farbgesättigten Wirklichkeit und lenkt den Blick auf Geste, Stimmung und Erzählung. Die Arbeiten befragen Wirklichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie sind gegenständlich in der Darstellung und metaphysisch in der Absicht. Sie zeigen nicht nur äußere Ereignisse, sondern machen auch innere Prozesse sichtbar, die von Kultur, Identität und Emotion geprägt sind. Ich arbeite mit breiten, bewusst gesetzten Pinselstrichen, die Formen mit Perspektive und Tiefe aufbauen. Sie sind kombiniert mit Hinweisen auf Mimik und Gestik, die genug Raum für die Interpretation der Betrachtenden lassen. Die Werke sind ein Dialog zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen und laden dazu ein, die eigene Vorstellung von Wirklichkeit zu überprüfen.

Isabelle Bauer

Im Zentrum meiner Arbeiten steht neben meiner Biografie, dem Aufwachsen in Deutschland zur Jahrtausendwende, immer wieder meine Mutter und ihre Identität als Philippina. Das Leben meiner Mutter ist mit persönlichen Fotos gut dokumentiert. Seit 2010 veröffentlicht sie diese fortlaufend auf Facebook. Dieses Bildmaterial ist der Ausgangspunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Zugehörigkeit, Entfremdung und kultureller Verortung. Die Perspektive darauf gewinnt für mich an Gewicht, seit ich dem Alter meiner Mutter näherkomme, in dem sie ihr Heimatland verließ. Mir wird bewusst, was sie dabei gewonnen und verloren hat und wie das auch meine eigene Identität formt. Ich bin ein gemischtes Kind, das sowohl die Philippinen als auch Deutschland erfahren hat, und Teil einer Generation, die durch Globalisierung und Internet nicht mehr auf eine singuläre Kultur beschränkt ist. Diese vielschichtigen Erfahrungen prägen meine Haltung zu geografischen und interfamiliären Grenzen sowie zu Fragen von Glück und Klassenzugehörigkeit.

Danil Becker

Ich versuche, mich in meinen Bildern nicht auf ein bestimmtes Thema oder Konzept zu konzentrieren. Für mich zählt vor allem, wie der Künstler malt, nicht was er malt. Das beeinflusst dennoch die Auswahl meiner Motive. Ich beziehe mich auf Gemälde anderer Künstler – dabei wähle ich beliebige Bilder, auch solche, die mir nicht gefallen, und interpretiere sie auf meine Weise, um ihre Geschichte neu zu erzählen. Dieser Ansatz ermöglicht mir, das Original zu transformieren und etwas Eigenes zu schaffen. Beim Malen kämpfe ich ständig mit meinem inneren Punk und Anarchisten. Anfangs arbeite ich sorgfältig, aber ich weiß, dass irgendwann der Moment kommt, an dem ich die Kontrolle verliere – und genau da beginnt für mich die Kunst. Passieren Fehler, versuche ich, sie in etwas Positives zu verwandeln. Meine Arbeiten geben den Betrachtern völlige Freiheit in der Interpretation. Durch absurde Elemente und persönliche Anspielungen fordere ich dazu auf, eigene Bedeutungen zu finden und meine Werke auf individuelle Weise zu verstehen.

Mollie Campbell

In meiner Arbeit steht die Malerei im Mittelpunkt und Gegenständlichkeit spielt eine zentrale Rolle. Absurdität, Berührung und Stille sind wiederkehrende Themen. Mich beschäftigt die Frage, wie sich das Aufeinandertreffen von Körpern anfühlt und wie sich das bildlich übersetzen lässt. Mit meiner Malerei erforsche ich unterschiedliche Realitäten. Erinnerungen und alltägliche Einflüsse dienen mir als Inspiration, wobei wiederkehrende Motive – etwa Landschaften – zur Erzeugung von Atmosphäre eingesetzt werden. Ich begreife meine künstlerische Praxis als ein offenes Forschungsspektrum, in dem das visuelle Empfinden zentrales Leitmedium darstellt. Mich beschäftigt außerdem die Frage, inwieweit Sinn für die Kunst von Bedeutung ist. Meiner Meinung nach ist die Unterscheidung zwischen Sinn und Unsinn hier zweitrangig – es wird immer beides geben und es gibt unzählige Varianten von Sinn. Verschiedene Werke wollen Unterschiedliches ausdrücken, verfolgen andere Aussagen und sind in anderen Momenten relevant.

Franziska Dathe

Für meine Bildfindung beobachte ich den städtischen Alltag junger Generationen. Mit einem nur scheinbar distanzierten, durchaus empathischen Blick studiere ich das Geschehen, das mich umgibt. In einer Mischung aus realen Beobachtungen und Fiktion konstruiere ich meine Figuren und Szenen. Um die Identifikation mit dem Dargestellten zu erleichtern, suche ich nach zeitgenössischen, kollektiven Erlebnissen wie beispielsweise der Teilnahme an einer Demonstration (Empörung), dem Tanzen auf Festivals (Power!) oder einem Gespräch zwischen Freundinnen, die am Straßenrand cornern. Mit dem englischen Bildtitel Spill the tea, umgangssprachlich für die neugierige Aufforderung zum Teilen von Geheimnissen, und der im Bild darauf anspielenden Teetasse gebe ich einen Hinweis auf die Natur des Gespräches der Protagonistinnen. Zu meiner künstlerischen Handschrift gehören die stilisierte Darstellung meiner Figuren und der Bruch durch den zumeist unnatürlichen Farbton, der sich wie ein künstlicher Filter über sie legt.

Sofia Doster Conde

Mich beschäftigt die Frage nach Herkunft, Erinnerung und Vergessen, insbesondere in meiner eigenen Familiengeschichte zwischen Nordspanien und Deutschland. Vieles darin blieb mir bisher verborgen. Ich erinnere mich an Fragmente, an bruchstückhafte Erzählungen meiner Großmutter aus Asturien. Diese Erinnerungen sind wie verblasste Bilder in meinem Gedächtnis und wurden zum Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit. Bei der Auflösung eines Hauses fand ich alte Fotografien. Je mehr ich mich mit ihnen beschäftigte, desto mehr wollte ich über diese Menschen wissen. Ich reiste in das spanische Heimatdorf meiner Großmutter. In Archiven, durch Zeitungsartikel und Gespräche begann sich etwas zu fügen. Zurück in meinem Atelier fing ich an, die kleinen Fotografien zu vergrößern und anhand der Erinnerungen und Erzählungen zusammenzusetzen. Durch das Malen dieser Bilder komme ich den Menschen näher, hole sie zurück ins Gedächtnis und gebe ihnen Bedeutung. Ich mache sie zu einem Teil der Gegenwart, gegen das Vergessen.

Nico El-Nawab

Meine Arbeiten untersuchen das vertraute Fremde und das fremde Vertraute. Zufällige und alltägliche Begegnungen werden von unausgesprochenen Erwartungen und individuellen Geschichten geprägt. Sie bilden ein Geflecht aus Nähe und Distanz, das uns mal berührt und mal irritiert. Welche Bedeutung geben wir diesen Begegnungen? Was erwarten wir vom Austausch mit jenen, die am nächsten Tag wieder vergessen sind oder vergessen sein wollen? Wie begegnen wir Menschen, die beachtet werden wollen oder nicht gesehen werden sollen? Ich arbeite mit Zwischenräumen und Leerstellen. Ich zeige Momente, in denen soziale Grenzen in der Räumlichkeit sichtbar werden und sich das Fremde ins Vertraute verschiebt. Mein künstlerisches Werk umfasst neben der figurativen Malerei auch Zeichnung, Druckgrafik und Installation.

Sophie Eppele

Meine Arbeiten wollen parallele Universen und Welten erschaffen, in denen Vergangenheiten sich überschneiden und eine surreale, träumerische Kulisse entstehen lassen. Dabei überlagern sich collageartig Motive analoger und digitaler Fotografie. Manche Bildpartien sind anachronistisch in Sepia getaucht, fahle, dezente Töne stehen grell überspitzten Grün- und Erdtönen gegenüber, die wie Kunststoff wirken. Flora, Fauna und der Mensch treffen sich in einer künstlich angelegten Umgebung, in der die Natur zu einem Muster wird und die Tiere eine Symbolik in sich tragen. Meine Werke spiegeln die Gefühle von Sehnsucht und Neugier sowie die Antagonisten Wehmut und Reminiszenz. Dies zeigt sich auch in den unwirklichen Lichtverhältnissen zwischen grellem Frühjahrslicht und morbider Tristesse des Herbstes. Wie die Übergangsjahreszeiten sind auch meine Szenarien ein Transfer vom Leben in die Sphäre des Jenseits. Der Betrachter wird zum Eskapismus eingeladen – zwischen Ruhe und Stillstand, Bewegung und Progress.

Johanna Failer

Künstlerisches Arbeiten verstehe ich als einen Akt der Verdichtung und Übersetzung: Aus der Flut an Bildern, der wir täglich ausgesetzt sind, extrahiere ich eine Parallelwelt, die die Außenwelt beleuchten kann, ohne ihr unbedingt zu entsprechen. Auf der Leinwand und im Ausstellungsraum konstruiere ich Interieurs, die kühl konzipiert und doch von menschlicher Wärme durchdrungen sind. Diese imaginären Räume erscheinen von unverrückbarer Ruhe, beherbergen aber auch Brüche und Ambivalenzen. Entscheidend ist immer auch die Frage nach den Möglichkeiten der figurativen Darstellung und deren Durchbrechung. Durch eine reduzierte, aber entschlossene Farbigkeit, eine implizite Narration und die Auslassung zugunsten des Wesentlichen versuche ich, einen sinnlichen und emotionalen Zugang zu den großen Fragen des zeitgenössischen (Zusammen-)Lebens zu schaffen.

Antonia Grabensee

Im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit stehen Motive, die mich täglich umgeben: öffentlich zugängliche Pressefotos, aber auch private Schnappschüsse. Mich interessieren Motive, die etwas in uns auslösen, weil wir sie zu kennen glauben. Fotos, die ich als Vorlage für meine Malerei nutzen möchte, bearbeite ich zu stark überbelichteten Versionen. Dadurch erhalten Farben eine andere Strahlkraft, einzelne Flächen treten deutlicher hervor und lösen sich vom Motiv ab. Die leichte Abstraktion, die dadurch entsteht, hilft mir, die Fotovorlagen in Flächen zu begreifen und eben diese in dicken, unverdünnten Ölschichten auf die Leinwand zu bringen. Im Prozess des Malens, durch die Flächen und Ebenen, wird die Leinwand für mich zur Landschaft. Farbflächen werden zu Territorien, pastose Ölfarbe zu topografischen Markierungen. Die Grenzen, die durch das Aufprallen der verschiedenen Farben aufeinander entstehen, begreife ich als Karten von kultureller Prägung, von Sehgewohnheiten und von Machtstrukturen.

Barnabas Jacob Herrmann

Hic sunt leoneshier sind Löwen hießen auf alten Karten Gebiete, über die man nichts wusste. Der Name des Tiers bündelte alle Assoziationen des Unbekannten, sowohl Gefahr als auch Verheißung. Mit dem Verschwinden der letzten weißen Flecken von den Landkarten entstand die Sehnsucht der Menschen nach dem, was dort zu finden gewesen wäre. Ihre technisierte Kultur konstruierte einen Garten nach dem Idealbild der wilden Natur: Im Zoo sind Löwen, und doch gibt es über Löwen kaum etwas, über Menschen aber vieles zu erkennen. Mich interessiert das begriffliche Konstrukt der Natur und dessen bildliche Repräsentation. Ausgehend von wissenschaftlichen Illustrationen, Spielzeugen, Zooarchitekturen oder musealen Dioramen umkreisen meine Kompositionen die Frage, wie die Welt, die uns umgibt, in unseren Kopf hinein- und aus diesem wieder herauskommt. Meine Bilder führen in assoziative Räume, die zunächst vertraut erscheinen, sich jedoch bald als Kulisse entpuppen und zum Nachdenken über das Verhältnis von Materie und Imagination anregen.

Ernest CEDI Kankam

Hic sunt leoneshier sind Löwen hießen auf alten Karten Gebiete, über die man nichts wusste. Der Name des Tiers bündelte alle Assoziationen des Unbekannten, sowohl Gefahr als auch Verheißung. Mit dem Verschwinden der letzten weißen Flecken von den Landkarten entstand die Sehnsucht der Menschen nach dem, was dort zu finden gewesen wäre. Ihre technisierte Kultur konstruierte einen Garten nach dem Idealbild der wilden Natur: Im Zoo sind Löwen, und doch gibt es über Löwen kaum etwas, über Menschen aber vieles zu erkennen. Mich interessiert das begriffliche Konstrukt der Natur und dessen bildliche Repräsentation. Ausgehend von wissenschaftlichen Illustrationen, Spielzeugen, Zooarchitekturen oder musealen Dioramen umkreisen meine Kompositionen die Frage, wie die Welt, die uns umgibt, in unseren Kopf hinein- und aus diesem wieder herauskommt. Meine Bilder führen in assoziative Räume, die zunächst vertraut erscheinen, sich jedoch bald als Kulisse entpuppen und zum Nachdenken über das Verhältnis von Materie und Imagination anregen.

Teodora Silvia Modoi

Die Werke Oil Pit 3 und The Tower erkunden die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Sie erforschen die Natur des Raums und wie er auf der zweidimensionalen Fläche der Leinwand erscheint. Die Bilder bauen Illusion von Tiefe auf, aber sie zeigen auch, wie Malerei selbst funktioniert, und hinterfragen ihre Verbindung zur Repräsentation. Dahinter stehen theoretische Themen wie die Politik der Landschaft und ihre Beziehung zu ungelebten Vergangenheiten und Erinnerungen. Die Gemälde stammen aus einem laufenden Projekt poetischer Recherche. Sie führen einen kontinuierlichen Dialog mit den Alten Meistern – von Tizian und Poussin bis zu den deutschen Romantikern. Dafür beschäftige ich mich mit Perspektive, Atmosphäre und Wahrnehmung. Ich möchte ein Raumgefühl schaffen, das fast greifbar wird, sodass der Betrachter sich in den Abgrund der Leere hineingezogen fühlt. Die Romantiker zeigen, wie Raum und Abstand funktionieren, weil ihre Bilder den Betrachter gleichzeitig hineinlassen und fernhalten.

Fotos: Felix Bode

Alphonse Ndagijimana

In meiner Arbeit verschmelzen textiles Handwerk und bildnerische Geste zu einem Dialog, der das Alltagsleben auf dem afrikanischen Kontinent würdigt und zugleich Fragen nach Identität, Erinnerung und kulturellem Erbe aufwirft. Meine Gemälde erzählen von Ursprung, Wandel und Verbindung. Dabei sind die Menschen Träger*innen von Geschichten, Emotionen und Erfahrungen. Sie verkörpern die Energie des Alltags – die Freude, den Zusammenhalt, die Arbeit und die Widerstandskraft im Leben afrikanischer Gemeinschaften. Durch das Nähen als gestalterischen Akt verknüpfe ich meine Kunst direkt mit einer handwerklichen Tradition, die in vielen afrikanischen Gesellschaften eine tragende Rolle spielt. Das Zusammennähen von Stoffen steht dabei für Zusammenhalt, Heilung und das Bewahren von Geschichte. Farbe, Struktur und Faden werden in meinen Arbeiten zu gleichwertigen Ausdrucksmitteln. Diese Kombination spricht eine sinnlich-kulturelle Sprache und öffnet einen Raum, in dem sich Dimensionen von Kunst, Identität und Erinnerung begegnen.

Fotos: Norbert Artner (Werk 1 + 2), Timm Felder (Werk 3)

Aduni Ogunsan

Meine Porträts basieren auf einem gemeinsamen konzeptuellen Ansatz. Sie zeigen junge schwarze Kulturschaffende aus meinem Umfeld. Amanda kann als Vorläufer der aktuellen Serie gelesen werden. Sie ist Illustratorin und Freundin. Godie betreibt einen Offspace in Köln mit Fokus auf Sichtbarkeit schwarzer Künstler*innen in Deutschland. Rebecca ist Künstlerin und Fotografin in Köln. Die Porträts entstehen nach fotografischen Sitzungen, die als dialogische Situationen angelegt sind. Die Dargestellten bestimmen die räumliche und symbolische Kulisse selbst, wodurch die Autor*innenschaft des Bildes bewusst geteilt wird. Während der Sitzungen findet ein offenes Gespräch statt, das künstlerische wie alltägliche Themen umfasst. Die Begegnung bildet die Grundlage für den malerischen Prozess. In der Überführung der fotografischen und skizzierten Vorlagen in Malerei erfolgt eine gezielte Reduktion visueller Informationen. Störende Details werden zurückgenommen, um den Fokus auf Gestik, Blick und körperliche Präsenz zu lenken.

Ana Pireva

Im Zentrum der Bilderserie steht das Gefäß als Verkörperung von Erinnerung, Seele und Identität. Die Stillleben sind keine klassischen Arrangements, sondern Bühnen, auf denen Objekte unterschiedlicher Herkunft miteinander in Dialog treten. Jedes Gefäß erscheint wie eine Figur – mit eigener Form, Ausstrahlung und Geschichte, die Räume für stille Erzählungen und Zeitspuren öffnet. Die Gefäße treten in Beziehung zueinander, mal nah, mal distanziert, mal verbunden in Konstellationen zwischen Zusammenhalt und Individualität. Die Arbeiten entstehen als Tintenmalereien mit selbst hergestellter Gallustinte und knüpfen an die traditionelle Praxis der Farbherstellung im Malprozess an. Aufgewachsen an einem Ort, an dem antike Gefäße bis heute aus der Erde ausgegraben werden und Teil des Alltags sind, bleibt mir diese Nähe zum Alten als feines Gespür für Zeit, Form und Geschichte präsent. So erscheinen die Gefäße als Träger von Erinnerung und Identität – Spiegel einer Sehnsucht nach dem Rätselhaften und Zeitlosen.

Fotos: Yvonne Felder

Sina Rösenberg

anarchism*us ist hoffnungsvolle anarchistische Kunst. Die Serie besteht aus drei Gemälden mit je eigenen Schwerpunkten:

Bücherschrank Of Everything – Was, wenn wir das Konzept eines Bücherschranks auf alles ausweiten, was teilbar oder schenkbar ist? Und das Ganze dann für so viele Menschen wie möglich zugänglich machen? Das ist keine neue Idee – ich hätte nur gerne früher schon gelernt, dass sie existiert. Darum hier :}

You Are Not Alone – Was, wenn du mit deinen Ideen gar nicht so alleine bist, wie du denkst? Diese Gemälde und die Texte dazu sind eine Form der Kommunikation – also hi! Wenn du dich davon gesehen fühlst :> Pockets Of Freedom – Was, wenn wir so leben könnten, als ob der Kapitalismus mit seinen taschenlosen Jeans nicht existiert? Wie landen wir in einer Welt, in der das Ziel nicht Profit ist … sondern die Bedürfnisse der Menschen und der Gemeinschaft zu erfüllen? Klingt nach ’nem DIY-Projekt für uns alle :]

Jeremias Rumpl

In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich mit menschengemachten Katastrophen auseinander. Mein Hauptmedium ist dabei die Zeichnung. Die beiden ausgewählten Arbeiten stellen die Ursprünge einer Serie dar. Zugungunlcpk Zugunglüc, l ugunglpck Zugunglück zugunglpcl Zugunglück zugunglück entstand nach dem Eisenbahnunglück in East Palestine, Ohio. Häsuer Häsuer HJäsuer Häszue Häsuer Häsuer Häuser zeigt ineinander geschmolzene Häuser vor einem blauen Strahlen, einem Phänomen, das auf starke radioaktive Strahlung hindeutet (Tscherenkow-Strahlung) und beim Tschernobyl-Desaster sichtbar gewesen sein soll. In meinen Arbeiten erforsche ich die Implikationen des Gezeigten und die Bedeutung dieser Dinge für uns Menschen. Eine Naturkatastrophe, ein Krieg oder jede andere Form von Tragödie stehen in großen Spannungsfeldern, die weit über die eigentlichen Vorfälle hinausgehen und die in Anbetracht dessen, worauf wir uns hinbewegen, nur noch weiter an Dimension und Schwere zunehmen werden.

Isabel Schober

In meiner Arbeit verarbeite ich alltägliche Beobachtungen. Der Fokus liegt dabei auf Individualität, Geschlechtsidentität und dem Verhältnis zum Körper. Der Körper als Gefäß zieht sich als zentrales Motiv durch meine Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. Das Gefäß ist für mich mehr als eine physische Form: Es ist ein Behältnis für Erfahrungen, Erinnerungen, Transformation, Spiritualität und Rituale. Ich beschäftige mich mit gesellschaftlichen Hierarchien und setze Statussymbole ein, um die Spannung zwischen Individuum und sozialem Gefüge zu thematisieren. In meiner Kunst verbinde ich formale Reduktion mit komplexen gesellschaftlichen und persönlichen Fragestellungen. Schwierigen Themen nähere ich mich oft mit Humor und Ironie und auch romantische Klischees gehören zu meiner Bildsprache. Mein Stil ist einfach und klar, mir ist wichtig, dass nichts beschönigt und nur das Essenzielle dargestellt wird. So lotse ich den Betrachter durch das Spannungsfeld zwischen Chaos und Einordnung und lade ein, menschliche Sehnsüchte kritisch zu reflektieren.

Liza Sivakova

Meine künstlerischen Themen wurzeln in meiner Biografie als junge Frau in Russland im 21 Jahrhundert – mit all den strukturellen Einschränkungen und inneren Widersprüchen. Daher thematisiere ich unter anderem Machtverhältnisse, Geschlechterungleichheit, psychische Gesundheit, das Übersehen gesellschaftlicher Schwächen und die Kontrolle durch autoritäre Strukturen. Ich arbeite mit Symbolen, Assoziationen und Emotionen, um eine düstere und drückende Atmosphäre zu schaffen, in der mehrdeutige Szenen entstehen. Mein Ziel ist es, Verwirrung hervorzurufen, eine zerrissene Realität entstehen zu lassen, in der man sich orientierungslos fühlt. Ein wesentlicher Teil meiner künstlerischen Praxis ist die Arbeit mit Collagen und Archivmaterial. Ich recherchiere in Bibliotheken und Archiven, sammle Bildfragmente und entwickle daraus Szenen, die zwar fiktiv erscheinen, aber transhistorische Erzählungen und kollektive Erinnerungsbilder in sich tragen. Die Ästhetik der Collage bleibt sichtbar und prägt die Struktur der Gemälde entscheidend.

Changxiao Wang

In meiner Malerei entwickele ich einen zeitgenössischen Kolorismus, der die Verflechtung von Wahrnehmung und Erinnerung im aktuellen Bilderleben erforscht. Dafür werden Smartphone-Fotografien alltäglicher Stadtszenen durch systematische Graustufen-Reduktion zu Hell-Dunkel-Strukturen transformiert. Diese Entkopplung von dokumentarischer Farbigkeit ermöglicht später eine autonome Farbkomposition als Trägerin der Bildstimmung. Der Malprozess erfolgt dann durch präzise Abklebung geometrischer Partien, die teilweise mit opaken Acrylverläufen bearbeitet werden. Dieser kontrollierte Balanceakt zwischen systematischer Konstruktion und intuitiver Farbsetzung erzeugt scharfe Konturen und intensive Kontraste, die rauschhafte Farberlebnisse bewirken. Die Arbeiten oszillieren zwischen gegenständlicher Lesbarkeit und Abstraktion, entziehen sich eindeutiger Zuordnung und hinterfragen etablierte Sehgewohnheiten. Farbe fungiert dabei als Trägerin emotionaler Inhalte, die sich nachhaltig im visuellen Gedächtnis verankern.

Johanna Wunderlich

Was passiert, wenn Bewegung zur Malerei wird? In meinen Arbeiten gehe ich der Frage nach, wie Körperlichkeit und Bewegung durch den Pinselstrich ausgedrückt werden können – nicht als statische Darstellung, sondern als dynamischer Prozess. Ich versuche, eine Balance zwischen erkennbaren figürlichen Elementen und der freien Entfaltung von Farbe, Form und Bewegung zu finden. Die Frage ist dabei nicht, wie ein Moment aussieht, sondern wie sich seine Spannung malerisch erfahrbar machen lässt. In Schicksalsfaden spüre ich der barocken Bildtradition nach: dem dramatischen Einsatz von Licht, der dynamischen Komposition, der körperlichen Spannung. Während dieser historische Einfluss präsent bleibt, richtet sich mein Blick in Gier und Sammeln stärker auf alltägliche, universelle Gesten – das Pflücken, Sammeln und Essen von Kirschen. Auch hier interessiert mich weniger das Motiv als der Vorgang selbst: das Greifen, Reißen, Öffnen, Teilen. Die körperliche Energie dieser Handlungen wird im Pinselstrich weitergeführt und transformiert.

Karim Youssef

In meinen Arbeiten befasse ich mich mit der Funktionalität sozialer Räume und dem Spannungsverhältnis zwischen ihrer Ästhetik und derjenigen migrantischer Kulturen. Ich stelle kritische Fragen: Verwandelt sich die sozialistische Utopie mit der Zeit in eine Dystopie? Themen wie Verlust, Trauma, Posttrauma, Erinnerung und Unsicherheit durchziehen meine Szenen. Aufgrund dieser Komplexität tendiere ich zum künstlerischen Realismus: Die gegenwärtige Lage, beginnend mit dem Arabischen Frühling, bringt Brüche, Fragen und eine Poesie hervor, die direkt dargestellt werden müssen. Ich setze mich auch mit Nationalismus und Männlichkeitsbildern in Österreich auseinander – aus der Perspektive eines Mannes, der in einer patriarchalen Gesellschaft aufgewachsen ist, die auf nationalem Stolz beruht. Aus dieser Distanz heraus kann ich die Werte hinterfragen und dekonstruieren. Dieser Perspektivwechsel eröffnet einen Prozess der Selbstreflexion, der kulturellen Auseinandersetzung und der Identitätsprüfung.

Fotos: Werkstätte digitale Fotografie – Universität für angewandte Kunst Wien

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