Daniel Odermatt, Ankunft (Detail), 2016 © Daniel Odermatt

Förderpreis 2020

Preisverleihung 2020

Liebe Besucherinnen und Besucher der Galerie,

Sie haben gewählt, im Roten Haus oder online, und die Jury hat ebenfalls gewählt! Der „Publikumsliebling“ steht fest und auch über die Vergabe des offiziellen Förderpreises ist entschieden. Der mit 4.000 € dotierte Preis wird in diesem Jahr zwischen Zeichnung und Malerei geteilt.

In der Vergangenheit haben wir die Preisverleihung gemeinsam im schönen Spiegelsaal des Meersburger Schlosses gefeiert und uns danach mit einem Gläschen in der Hand zu anregenden Gesprächen in der Ausstellung gefunden.

Leider ist das derzeit nicht möglich. Dennoch möchten wir nicht darauf verzichten, die von Jury und Publikum Prämierten wenigstens an dieser Stelle zu würdigen. Wer wen gewählt hat, das verrät Ihnen Lothar Wölfle, Landrat des Bodenseekreises, in einem kleinen Video:

Preisträger für Malerei

Der Förderpreis für Malerei wurde vergeben an Ghaku Okazaki.

Ghaku Okazakis Gemälde entfalten eine umwerfende Farbkraft, die eine positive Stimmung hervorruft. In seinen flächenhaften Darstellungen überlagern sich Bildebenen aus Schrift, Symbolen, Landschaft und Lebewesen. Auch wenn nicht alles zu entschlüsseln ist, haben Okazakis Werke doch eine narrative Kraft, die eine Sogwirkung ausübt. Seine Ästhetik ist symbolhaft reduziert im Sinne eines Mandala. Okazaki eröffnet damit einen spirituellen Zugang zur Welt.

Er schafft die Vision einer harmonischen Zukunft, in der sich das Verbindende gegen das Trennende stellt, die das Fremde zulässt und positiv sieht. Mit der vegetativen Kraft symbolisiert er Wachstum und Werden und inszeniert die Welt als Theater. Zugleich gewährt er einen Blick in sein eigenes Inneres und drückt seine Wünsche künstlerisch aus. Es ist einfach so: man schaut seine Arbeiten gerne an und kann sich darin verlieren.

Website Ghaku Okazaki

Instagram Ghaku Okazaki

Preisträgerin für Zeichnung

Der Förderpreis für Zeichnung wurde vergeben an Christine Brey.

Die Bildwelt, die die Hamburger Künstlerin mit ihren Figuren entwirft, ist beeindruckend. Ihre Bildfindung ist ambivalent, dadurch erzeugt sie ästhetische Spannung. Oftmals sind Breys Darstellungen skurril, sie arbeitet mit kreativer Irritation. Eindrucksvoll sind die Stille und Melancholie in ihren Zeichnungen, die von einer psychologischen Ebene getragen werden. Die Hintergründigkeit ihrer Darstellungen lässt diese nicht im klassischen Sinne schön oder harmonisch erscheinen, sondern eher beunruhigend. Sie punkten mit Ausdrucksstärke. Nicht zuletzt überzeugt die altmeisterliche technische Meisterschaft der Künstlerin und ihr handwerkliches Können, das sich in Details der Gesichter oder im Verhältnis von Figur und Grund äußert. Die fehlende Zuordnung der Figuren zum Raum verkörpert dabei die Allgemeingültigkeit der Darstellungen. Breys Darstellungen sind doppelbödig, die Künstlerin fordert den „zweiten Blick“ heraus und regt damit zum Nachdenken an.

Instagram Christine Brey

YouTube Christine Brey

Publikumspreisträger

Der Publikumspreis geht an Sebastian Lorenz.

Das Votum war eindeutig: Das Publikum begeisterte sich für die Malerei des Waiblinger Künstlers. In seinem „Schachspiel“ zeigt Sebastian Lorenz, dass er das große Format auf Leinwand beherrscht. Er stellt uns mitten hinein in eine Gruppe von Männern, die in Sarajevo einem öffentlichen Schachspiel beiwohnen. Die Spannung, die hier herrscht zwischen der kriegsmüden Generation und dem jungen Mann, der die Faust von neuem erhebt, fängt der Maler in kleinen, kontrastierenden Farbflächen ein, die eine flirrende Atmosphäre erzeugen.

Dass Sebastian Lorenz auch anders kann, beweist sein zärtliches Porträt der „Theresa“, die im Sitzen eingeschlafen ist. Wenn Lorenz schreibt: „Meine Porträts sind lediglich Ausdruck meiner Liebe zu Malerei und Zeichnung“, klingt das sehr bescheiden angesichts seines Vermögens, in das Gesicht der schlummernden jungen Frau eine ganze Geschichte hineinzulegen. Das Publikum hat es auf jeden Fall gesehen …

https://sebastianlorenz.art

Katalog zur Ausstellung

IR_REAL
jung + gegenständlich
Förderpreis Bodenseekreis 2020

 
Heike Frommer (Hg.)
Kulturamt Bodenseekreis – Salem, 2020
80 Seiten, ISBN: 
978-3-945396-15-5
Preis: 6,00 Euro

Erhältlich im Kulturamt Bodenseekreis:
Schloss Salem, 88682 Salem
Telefon: 07541 204-6400 
kreiskulturamt.sekretariat(at)
bodenseekreis.de

Impressionen

© Cirsten Widenhorn